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Adulter Seeadler (© Knut Fischer)
14
Aug.

Vorgestellt: Der Seeadler vom Werbeliner See

Schon seit einigen Jahren ist ein Brutpaar des imposanten Seeadlers bei uns im Naturschutzgebiet Werbeliner See ansässig. Obwohl es schon mehrmals umziehen und einen neuen Horst bauen musste, zieht es fast jedes Jahr ein bis zwei Junge auf und gehört damit zu den erfolgreichsten Paaren im Landkreis. Doch wie war es in 2026?

Der Seeadler ist über einen Großteil des nördlichen Eurasiens verbreitet, wobei er hauptsächlich ungestörte Brutplätze und große Wasserflächen zum Fischen benötigt. In den vergangenen Jahrhunderten wurden die Seeadler in Mittel- und Nordeuropa fast komplett ausgerottet, weil er entweder als Jagdkonkurrenz oder als Gefahr wahrgenommen und erbarmungslos bejagt wurde, wodurch ihre Bestände stark einbrachen. Nach einer kleinen Erholung kam Mitte des 20. Jahrhunderts ein weiteres großes Problem dazu: In der Landwirtschaft wurde das Insektizid DDT eingesetzt, welches sich in der Nahrungskette anreichert und bei einige Großvögeln –- wie dem Seeadler – zu dünneren Eierschalen führt. Also zerbrachen oft die frisch gelegten Eier, wenn die Altvögel versuchten, diese zu bebrüten. Außerdem sind die Großvögel auch äußerst sensibel gegenüber Bleivergiftung. Zu dieser kann es leicht kommen, wenn mit Bleimunition geschossenes Wild liegen bleibt und die Adler dann daran fressen.

Als Reaktion darauf wurden die Jagd auf die Art sowie der Einsatz von DDT verboten und bleifreie Alternativen als Jagdmunition angeboten. Seither breitet sich der Seeadler wieder aus und kommt nun auch bei uns in Deutschland wieder in vielen Gebieten vor – eine absolute Erfolgsgeschichte im Naturschutz!

Jagender adulter Seeadler kurz vor dem Zuschlagen (© Knut Fischer)

Der Seeadler ernährt sich das Jahr über zu einem Großteil von Fisch. Diesen fängt er selbst, indem er nah an der Wasseroberfläche schwimmende, große Fische im dichten Überflug mit den Klauen schlägt und wegträgt. Wenn im Winter die Wasserflächen zugefroren sind, frisst der Seeadler auch Aas oder jagt Wasservögel wie Enten und Gänse.

Da all diese Nahrungsquellen im Naturschutzgebiet Werbeliner See gegeben sind und er in den Bäumen auf den Inseln der ehemaligen Schüttrippen störungsarme Plätze für seinen Horst vorfindet, hat er sich auch bei uns vor einigen Jahren angesiedelt. Sein erstes Nest baute er in einem Baum auf einer Insel im Werbeliner See. Weil der Baum im lockeren Boden der Schüttrippe keinen richtigen Halt finden konnte, kippte er unter dem zusätzlichen Gewicht des Horstes irgendwann um. Danach baute er ein neues Nest auf den Inseln des Grabschützer Sees, in welchem er einige Jahr erfolgreich brütete. Allerdings wurde dieses leider von Waschbären gekapert und war damit für ihn verloren. Seither brütet er etwas außerhalb des Naturschutzgebietes in einem Feldgehölz. Zur Nahrungssuche und um den Jungen das Jagen beizubringen ist aber trotzdem sehr häufig am Werbeliner See anwesend, wo er sich vor allem im Bereich der ungestörten Inseln aufhält. Dort sitzt er von Sommer bis Spätwinter oft auf den Bäumen und ist längere Zeit entspannt anwesend. Während der Brutzeit kann man ihn aber meist nur kurz überfliegend bzw. jagend sehen, da die auf den Inseln brütenden Möwen (zurecht!) um ihre Jungen fürchten und ihn lautstark vertreiben.

Junger Seeadler, erkennbar an der braunen Färbung von Schnabel, Kopf und Schwanzfedern (© Alex Thomas)

Seeadler beginnen schon im Spätwinter mit der Brut, wobei sie meist ein oder zwei Eier legen. Bei zwei geschlüpften Jungvögeln überlebt oft nur eines der beiden, da die Nahrungsverfügbarkeit begrenzt ist und dann nur das ältere ausreichend gefüttert wird. Unser Seeadlerpaar ist jedoch sehr erfahren und hat in den letzten Jahren meist zwei Junge aufgezogen. Bei so einem großen Tier dauert es lange, bis die Jungen ausgewachsen sind, und so sind diese nicht vor Juli flügge. Dann sind sie oft gemeinsam mit den Altvögeln auf den Inseln des Werbeliner Sees zu sehen, wo sie von ihren Eltern das Jagen und Zerkleinern von Beute beigebracht bekommen. Meistens kann man sie noch bis in den Herbst hinein dort beobachten, bevor sie die Welt erkunden und sich irgendwann ein eigenes Revier suchen.

Die Jungvögel sind leicht von den Altvögeln unterscheidbar, da sie braun gescheckt sind, während die adulten Tiere einen gelben Schnabel und weiße Schwanzfedern haben und der Kopf und Schulterbereich aufgehellt sind. Es dauert mindestens sechs bis sieben Jahre, bis ein Seeadler das adulte Federkleid aufzeigt, und auch erst dann ist er geschlechtsreif und wird seine erste Brut beginnen.

Das riesige Nest unseres Seeadlerpaares, im Jahr 2026 leider zur Brutzeit leer (© Friedhelm Hensen)

Allerdings war in diesem Jahr die Brut bei unserem Paar leider nicht erfolgreich. Während der Zeit der Jungenaufzucht sieht man die Adler normalerweise nur kurz, da sie sich um den Nachwuchs kümmern müssen und keine Zeit haben, lange abseits des Horstes zu verweilen. Im Mai diesen Jahres konnten wir die beiden Seeadler allerdings längere Zeit bei uns im Naturschutzgebiet beobachten, was vom üblichen Verhalten zu dieser Zeit stark abweicht und uns sofort verdächtig vorkam. Kurz darauf haben wir den Horst kontrolliert und wo normalerweise die Jungvögel sitzen müssten, war leider nur ein leeres Nest zu sehen. Wir wissen, dass das Paar auch dieses Jahr mit der Brut angefangen hat, aber was schief lief wissen wir leider nicht. Solche Brutverluste sind zum Beispiel wegen Extremwetterereignissen wie Starkregen möglich, aber auch wegen Prädatoren wie Marder, Waschbär oder auch anderer Greifvögel. Hoffen wir, dass das Paar nächstes Jahr wieder erfolgreich brüten und uns am Werbeliner See erfreuen kann!

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E-Mail: info[at]nsgwerbelinersee.de

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