Wozu braucht es Naturranger?
In Schutzgebieten gibt es einen großen fachlichen Bedarf für den Einsatz von Rangerinnen und Rangern. Die Erfahrungen zeigen, dass Ranger eine für die Erfüllung der gesetzlichen Vorgaben der Schutzgebiete wichtige Arbeit leisten und ein wichtiger Faktor für die erfolgreiche weitere Entwicklung und Betreuung von Schutzgebieten und deren Zielerreichung sind – u. a. in Bezug auf die Biodiversitätsziele in jedem Bundesland.

Sie sind ideal dafür geeignet, die Menschen vor Ort in der Fläche anzusprechen und sie dafür zu gewinnen, sich mit den Zielen des jeweiligen Schutzgebietes zu identifizieren, sich in der Natur achtsam zu verhalten und in ihrem Handeln verstärkt Themen wie Nachhaltigkeit sowie Natur- und Klimaschutz zu beachten. Damit sind sie das Gesicht und Aushängeschild der Schutzgebiete vor Ort: für die Bevölkerung und alle weiteren Besuchenden.
Ein gelungenes Beispiel wird bereits seit einigen Jahren im Naturschutzgebiet Werbeliner See umgesetzt. Nun wollen wir groß denken und das Projekt auf andere Teile Nordsachsens ausweiten! Weil der bisherige Förderzeitraum bereits Ende des Jahres 2026 endet, suchen wir derzeit weitere Fördermöglichkeiten.
Und an diesem Punkt kommen Sie ins Spiel: Unsere angestrebte Förderart ist eine LEADER-Kooperation, bei der jede teilnehmende Gemeinde einen Eigenanteil erbringt und in Gegenleistung unsere naturschutzfachliche Betreuung erhält. Wie diese Kooperation im Detail aussieht, kann Ihnen Nancy Löhr, Sachgebietsleiterin Naturschutz des Landratsamtes Nordsachsen, genauer erklären. Rufen Sie dazu gerne an (0160 6187352)!
Doch was bringt es Ihnen und der Gemeinde, ein solches Projekt zu unterstützen?

Besucherlenkung und Schutz
Naturranger informieren und lenken Besucher gezielt, was Ordnungswidrigkeiten und Konflikte reduziert. So schützen sie wertvolle Lebensräume und sparen Folgekosten für Reparaturen, Müllbeseitigung oder Konfliktlösungen.
Umweltbildung und Image
Professionelle Umweltbildung inklusive Exkursionen stärkt die lokale Identifikation und Akzeptanz von Schutzmaßnahmen. Öffentlichkeitsarbeit – analog und digital – verbessert das Image der Gemeinde als naturnahen Wohn- und Erholungsort.
Information und Bürgerbeteiligung
Digitale und analoge Medien, Infotafeln und Printmaterialien erhöhen die Sichtbarkeit und fördern Bildung und Bürgerwissenschaften. Das stärkt die Bürgerbeteiligung und das Demokratieverständnis, was für kommunale Entscheidungen wichtig ist.
Netzwerkarbeit und Mediation
Ranger vermitteln zwischen Interessengruppen wie Landwirtschaft, Naturschutz und Tourismus. Das fördert Verständigung und Kompromisse und stärkt die lokale Handlungsfähigkeit.
Monitoring und Datengrundlage
Artenerfassung und Monitoring liefern belastbare Daten für Förderanträge und Entwicklungspläne. Das unterstreicht die Fachkompetenz der Gemeinde und unterstützt klima- und umweltpolitische Ziele.
Flächenmanagement und Biodiversität
Professionelles Flächenmanagement und Pflege sichern langfristig Biodiversität und Klimaresilienz. Gleichzeitig wird die Einhaltung von Förderbedingungen (z. B. Natura 2000) gewährleistet, was teure Nachzahlungen vermeidet.
Ehrenamt und Gemeinschaft
Die Einbindung von Ehrenamtlichen und Bürger:innen (z. B. Citizen Science, Exkursionen) stärkt die Gemeinschaft und bringt innovative Ideen in die Region.

Der Braune Bär in voller Pracht. 
Ein Flussregenpfeifer beim Balzen. © Erik Eckstein 
Ein Fischotter treibt sich umher. © Kaufmann
Eine Bestandsaufnahme
Was haben wir bisher umgesetzt?
1. Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit: Nachfrage steigt kontinuierlich. Die Exkursionen im NSG Werbeliner See bieten eine einzigartige Plattform, um die ökologische Bedeutung der Tagebaufolgelandschaft erlebbar zu machen. Mit über 800 Teilnehmenden in den letzten zwei Jahren – darunter viele Schulen und Behörden – wird deutlich, dass das Angebot auf großes Interesse stößt.

2. Schutzgebietsmanagement: Verstöße deutlich reduziert. Durch kontinuierliche Aufklärung und Sensibilisierung vor Ort konnten Verstöße gegen Schutzgebietsregeln seit 2019 signifikant verringert werden. Allein 2024 wurden an 78 Tagen 1.616 Besuchende direkt informiert – ein Beleg für die Schutzwirkung der Naturranger. Die kooperative Haltung der Bürgerinnen und Bürger zeigt, dass Aufklärung und Dialog wirken.

3. Aktiver Artenschutz: Lebensräume erhalten. Die Freihaltungsmaßnahmen sind essenziell, um bedrohte Arten wie das Braunkehlchen zu schützen. Durch gezielte Entbuschungsaktionen – oft mit Unterstützung von Freiwilligen und Schulen – werden Halboffenlandschaften erhalten, die für viele Zielarten überlebenswichtig sind. Die Beteiligung von über 100 Freiwilligen in den letzten zwei Jahren unterstreicht die gesellschaftliche Relevanz dieser Arbeit.
4. Wissenschaftliche Erfolge: Artennachweise messbar gesteigert. Die Naturranger leisten einen direkten Beitrag zur Dokumentation und Förderung der biologischen Vielfalt. Durch die Tage der Artenvielfalt konnten allein in den Jahren 2024 und 2025 78 neue Arten im NSG Werbeliner See nachgewiesen werden – die Gesamtzahl stieg durch die neuen Nachweise von 880 auf 1.022 Arten. Diese Daten sind nicht nur für den Naturschutz, sondern auch für die regionale Umweltbildung und Forschung von unschätzbarem Wert. Die Zusammenarbeit mit fachkundigen Expertinnen und Experten mit Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern stärken zudem das Bewusstsein für den Schutz der lokalen Biodiversität.

5. Digitale Entdeckertour. Ein innovativer, digitaler Lehrpfad, der Geschichte und Natur lebendig werden lässt – und Ihre Gemeinde als Vorreiter für moderne Umweltbildung und Tourismus positioniert! Am Werbeliner See ist dies bereits Realität: Seit Oktober 2025 führt eine interaktive App Besucherinnen und Besucher durch die faszinierende Vergangenheit des Tagebaus und das heutige Naturschutzgebiet. Das Projekt zeigt, wie mit Kreativität, Teamarbeit und lokaler Unterstützung ein einzigartiges Erlebnis für Bürger und Touristen geschaffen werden kann.
Fazit: Investition in die Zukunft. Die Arbeit der Naturranger ist erfolgreich, nachhaltig und gesellschaftlich anerkannt. Sie verbindet Artenschutz, Umweltbildung und Bürgerbeteiligung – und das mit messbaren Ergebnissen. Eine finanzielle Unterstützung würde nicht nur die bestehenden Erfolge sichern, sondern auch die Kapazitäten erweitern, um auf die wachsende Nachfrage zu reagieren. Gemeinsam können wir Nordsachsen im Naturschutz und Umweltbildung weiter stärken.

Skeptischer Blick einer Zauneidechse © Franz Jäger 
Zwergmäuse schlagen sich den Bauch voll. 
Wiedehopf im Anflug © Knut Fischer