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Startseite > News > Die Wasservogelzählung (WVZ)
Blässhühner, Reiher- und Tafelenten auf dem Werbeliner See © Alex Thomas
12
Feb.

Die Wasservogelzählung (WVZ)

Bereits seit den 1940er Jahren werden rastende Wasservögel in Deutschland systematisch erfasst. Dies bedeutet, dass zu festgelegten Zeitpunkten dieselben Gewässer regelmäßig überprüft und die sich darauf oder daran aufhaltenden Wasservögel bestimmt und gezählt werden. Dadurch können die Bestände dieser mobilen Tiere gut erfasst werden, da mehr oder weniger gleichzeitig alle Gewässer gecheckt werden. Die wichtigste dieser Zählungen findet unter dem Namen International Waterbird Census immer am Wochenende Mitte Januar statt, da zu diesem Zeitpunkt die Zugbewegung minimal und die Konzentration auf bestimmte Gewässer maximal ist. Diese Zählung erfolgt weltweit, sodass für viele Arten ein Großteil der global existierenden Population erfasst werden kann.

Der Werbeliner See ist schon seit vielen Jahren Teil der WVZ-Kulisse. Seit 2023 konnten auch Grabschützer und Zwochauer See aufgenommen werden und erfahren seither eine regelmäßige Überprüfung der Wasservogelbestände. Da Brutvögel über andere Module überwacht werden und es bei der WVZ um Zug- und Rastvögel geht, beschränkt sich die Zählung auf die Monate September bis April. Während dieser wird immer Mitte des Monats eine Zählung pro Gewässer durchgeführt. Die Daten werden an die Vogelschutzwarte Neschwitz übermittelt, von wo aus sie zu überregionalen Bestandsanalysen weitergereicht werden. Sie können auch direkt in das Onlineportal www.ornitho.de eingetragen werden. Die Koordination der WVZ in Deutschland übernimmt der DDA (Dachverband Deutscher Avifaunisten e. V.).

Blässhuhn © Alex Thomas

Doch wie zählt man eigentlich alle diese Vögel? Zuerst braucht man die richtige Optik: Ein Spektiv (also ein Fernrohr) ist bei größeren Gewässern unerlässlich, da man sonst keine Chance hat, sich die Tiere auf oft mehrere hundert Meter Entfernung genau anzuschauen. Mit diesem positioniert man sich an Stellen mit gutem Überblick über die Wasserfläche und scannt diese systematisch ab.

Im Frühherbst bei der Wasservogelbeobachtung durch’s Spektiv © Paul Splitt

Bei guter Sicht und ruhigen Bedingungen kann die Anzahl bis 100 oft genau angegeben werden, doch darüber hinaus wird es schwierig. Haben Sie schonmal 1623 Enten einzeln durchzählen wollen? Bei wenigen hundert Individuen kann man oft gut in Fünfer- oder Zehnerschritten zählen, spätestens ab einer Anzahl von 1000 und mehr wird man jedoch meist Fünfzigerschritte verwenden. Zum einen sind bei größerer Anzahl kleine Abweichungen weniger wichtig, denn ob jetzt nun die 1623 oder 1600 Enten als Ergebnis herauskommen, spielt keine große Rolle – die Größenordnung ist das Entscheidende. Und zum anderen ist es oft sinnvoller eher effizient zu zählen, da bei zu langem Zeitaufwand meist irgendetwas passiert und man dann von vorne beginnen muss. So sehr man sich über den Seeadler eigentlich immer freut, den ein oder anderen Fluch stößt man dann auch mal aus, wenn er plötzlich einfliegt und tausende Enten auffliegen, obwohl man gerade erst zwei Drittel durchgezählt hatte.

Der Seeadler: Schön, majestätisch, ein Aushängeschild für Naturschutz – und manchmal ein Störenfried © Knut Fischer

Und was wurde jetzt schon alles bei der WVZ nachgewiesen? Seit 2021 insgesamt 67 verschiedene Wasservogelarten, darunter zum Beispiel sechs Gänsearten, 18 Entenarten und acht Möwenarten sowie zehn Arten an Watvögeln. Das Blässhuhn ist tagsüber oft die häufigste Art, die maximale Anzahl bei einer Zählung war 2600. Gänse kommen in noch größerer Anzahl vor, schlafen jedoch nur auf dem Gewässer und fliegen mit dem Morgengrauen aus. Hier wurden bereits 5100 Tundrasaatgänse und 3000 Blässgänse gezählt. Auch die Graugans ist manchmal ziemlich häufig, so wurden schon 510 dieser Art festgestellt.

Saatgänse © Erik Eckstein
Saatgänse © Erik Eckstein
Blässgans © Erik Eckstein
Blässgans © Erik Eckstein

Doch auch die Enten können beachtliche Größenordnungen bei der Zählung erreichen. Am häufigsten sind Reiherente (max. Anzahl: 1380) und Tafelente (max. Anzahl: 1970), doch auch Stockente (max. Anzahl: 465) und Pfeifente (max. Anzahl: 330) können manchmal sehr zahlreich vertreten sein.

Reiherente (Männchen) © Erik Eckstein
Reiherente (Männchen) © Erik Eckstein
Tafelente (Männchen) © Erik Eckstein
Tafelente (Männchen) © Erik Eckstein
Stockente (Männchen) © Alex Thomas
Pfeifente (Männchen, Jungvogel) © Erik Eckstein

Haubentaucher kommen ebenfalls in größerer Zahl hier vor. Das bisher höchste Ergebnis bei einer WVZ waren 106 Individuen, die sich über den Werbeliner See verteilten. Und die Steppenmöwe (häufigste Möwenart) konnte schon mit 360 erfasst werden. Sie besiedeln schon im Spätwinter die Inseln und fangen dort früh im Jahr das Brüten an und ab Juli, wenn die Brutzeit vorbei ist, werden es dann viel weniger.

Haubentaucher © Erik Eckstein
Steppenmöwe © Mike Prince

Natürlich sind auch die selteneren Arten sehr spannend, da sie für die größten Überraschungen sorgen. Dabei sind die beiden Meeresenten Samt- und Trauerente zu nennen. Erstere überwintert manchmal in kleinen Grüppchen im Binnenland und konnte schon mehrmals mit einer maximalen Anzahl von sieben entdeckt werden. Die Trauerente ist im Binnenland ziemlich selten, tauchte hier aber auch schon zu einer Wasservogelzählung im Dezember 2023 auf. Wirklich besonders war das Erspähen einer Eisente, die ebenfalls nur sehr selten im Binnenland zu finden ist, sich im Jahr 2025 jedoch von Anfang Februar bis Mitte April auf dem Werbeliner See aufhielt. Einen kursiosen Fall gab es auch, als ein Hybrid aus Tafel- und Moorente für einige Zeit zwischen Tafelenten gefunden werden konnte.

Trauerente (Jungvogel) © Stefan Berndtsson
Samtente (Männchen, Jungvogel) © Sébastien Bertru
Eisente (Weibchen) © Russ
Moor- x Tafelente Hybrid (Männchen) © Alex Thomas

Idealerweise kann zumindest bei den weniger häufigen Arten noch der Anteil der Geschlechter und/oder der Jungvögel angegeben werden, was detailliertere Analysen zu Populationsbewegungen oder Bruterfolg zulässt. Insgesamt wird die Wasservogelzählung nie langweilig, da es immer viel zu entdecken gibt, die Arbeit intensiv, aber schön ist und die Ergebnisse tolle Schlussfolgerungen zulassen.

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Hallesche Straße 38
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