Jetzt fragen Sie sich vermutlich: „Ja waren nicht schon immer Tiere hier?“. Klar, das schon, sonst würde das Naturschutzgebiet auch wenig Sinn ergeben. Die Rede ist aber von den 19 Schottischen Hochlandrindern und 14 Konik-Wildpferden auf der neuen Weide im Bereich der ehemaligen Tagesanlagen. Diese durften am 23.04.2026 endlich ihr neues Zuhause beziehen und wohnen ab jetzt bei uns am Werbeliner See.
Hier wurde in den letzten Monaten hart gearbeitet. Zuerst wurden große Flächen von Bäumen und Büschen befreit, um das Offenland wieder herzustellen. Dieses war in den Jahren nach dem Ende des Tagebaus und zur Zeit der Ausweisung des Vogelschutzgebiets hier großflächig aufzufinden. Viele seltene Vogel- und andere Tierarten sind genau daran angepasst, aber in den letzten Jahren immer seltener geworden, da die offenen Flächen immer weiter zuwuchsen. Nachdem die Maßnahmen zur Wiederherstellung des Offenlands abgeschlossen waren, wurde ein Zaun und weitere Weideinfrastruktur wie Trinkbrunnen gebaut, damit die Weidetiere hier gut leben können. Wir berichteten beispielsweise hier, hier und hier.

Die großen Pflanzenfresser werden von nun an also das ganze Jahr auf der Fläche verbringen und diese prägen – ganz so, wie es früher einmal war, bevor der Mensch die großen Herden an Wisenten, Wildpferden und Hirschen zurückdrängte. Die Tiere werden durch Trittschäden überall kleine Rohbodenstellen erzeugen, die extrem wichtig für viele Insektenarten sind, die ihre Brutröhren in den Boden graben. Weitere Insektenarten werden ihre Eier in die Kotfladen bzw. Pferdeäpfel legen, denn sie sind für die Larvenentwicklung genau auf solche Hinterlassenschaften angewiesen. Der Kot der Tiere wird pro Jahr für etwa 100 kg Insektenmasse sorgen. Die ganzen Insekten wiederum sind wichtige Nahrungsgrundlage für viele andere Tiere.


Und vor allem werden die Weidetiere im Sommer Gras und Kräuter fressen und so für eine heterogene Struktur der Wiesenbereiche sorgen. Im Winter verbeißen sie Büsche und Bäume und drängen diese zurück, damit die Fläche langfristig offengehalten wird und nicht wieder zuwächst. Die Tiere sind also wichtige Landschaftspfleger und helfen mit, viele verschiedene Habitate erschaffen und zu erhalten, in denen wiederum viele seltene Tier- und Pflanzenarten vorkommen. Da dies den natürlichen Zustand der Landschaft simuliert, bevor der Mensch diese komplett überprägt hat, spricht man dabei von „Wilden Weiden“. Die Weidetiere selbst sind jedoch nicht wild, sie leben ja nach wie vor auf umzäunten Raum und werden auch jeden Tag bezüglich ihrer Gesundheit kontrolliert. Das komplette Beweidungsprojekt im Bereich der ehemaligen Tagesanlagen im Norden des Naturschutzgebiets wird vom Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen e. V. betreut.
