Wie angekündigt (zu finden hier), sollte in diesem Jahr die Brutkolonie des Kormorans am Werbeliner See wieder genau unter die Lupe genommen werden. Weil aber die Kolonie vom Ufer aus nicht uneingeschränkt einsehbar ist, wurde dazu eine Drohne eingesetzt.
Das Fliegen einer Drohne ist im Naturschutzgebiet grundsätzlich verboten, weshalb hierfür von der Unteren Naturschutzbehörde eine Ausnahmegenehmigung eingeholt wurde. So durfte die Mindestflughöhe von 50 Metern nicht unterschritten werden und plötzliche Richtungswechsel mussten aufgrund ihrer Schreckwirkung unterlassen werden.
Wichtig war außerdem, dass der Flug nicht bei starkem Sonnenschein stattfand – zu starke Kontraste oder Reflexionen des Wassers hätten die Auszählung erschwert. Am 8. Mai konnte das Vorhaben dann erfolgreich durchgeführt werden. Die Kolonie wurde dafür von einer Seite erst in Übersicht fotografiert und anschließend aus derselben Perspektive Ausschnittsfotos zum genauen Auszählen gemacht. Fotos aus weiteren Blickwinkeln ergänzten die Zählung.

Insgesamt konnten im Hauptteil der Kolonie 217 Nester gezählt werden. Zu diesen kommen je fünf und 18 Nester auf zwei kleinen Inseln südöstlich der Hauptinsel. Die Kolonie umfasst also mindestens 240 Brutpaare und macht so etwa zwei Drittel des kompletten Brutbestandes Sachsens aus. Dies allein verdeutlicht, wieso Naturschutzgebiete so essenziell wichtig sind: Als Oasen in der menschengemachten Landschaft sind sie Rückzugsorte für natürlich vorkommende Arten, die sonst kaum noch Lebensraum finden. Der Kormoran wird fast überall stark bejagt und Brutansiedlungen werden aktiv verhindert. Hier jedoch darf die Art ungestört existieren und sich fortpflanzen.

Zählungen vom Ufer aus schwankten in den letzten beiden Jahren zwischen 120 und 165 Nestern, was die Ungenauigkeit dieser Methode und die Wichtigkeit einer Drohnenbefliegung zur korrekten Erfassung betont. Diese Daten wiederum sind essenziell, um eine Grundlage für einen faktenbasierten Naturschutz zu garantieren und einen nachvollziehbaren Umgang mit der uns umgebenden Natur zu ermöglichen.
Von der alten Ortslage Werbelin aus ist die Kolonie übrigens gut zu sehen – wie viele Nester können Sie dort finden?